Es gibt im Chor eine sehr feine Form der Rücksichtnahme.

Wenn man etwas nicht ganz verstanden hat, fragt man natürlich NICHT laut nach. Man möchte ja den Ablauf der Probe nicht unterbrechen.

Stattdessen wendet man sich leicht zum Nachbarn und flüstert: „Wo sind wir?“

Der Nachbar antwortet dann ebenso leise. Nicht unbedingt mit Gewissheit, aber mit großem Engagement. „Ich glaube, wir sind da.“

Zwei Plätze weiter wird daraus: „Noch einmal ab 14.“

Eine Reihe dahinter: „Nur Mezzo.“

Und ganz hinten entsteht langsam die vage Überzeugung, dass jetzt irgendetwas sehr Konkretes passieren müsste.

Währenddessen breitet sich im Chor eine kleine Bewegung aus. Köpfe drehen sich, Schultern neigen sich, Blicke wandern diskret nach links und rechts. Alles sehr höflich. Sehr rücksichtsvoll. Und dabei erstaunlich wirksam.

Die Probe läuft weiter – begleitet von einem leisen Netz aus Vermutungen, das mit jeder Weitergabe ein kleines bisschen zuverlässiger wirkt und ein kleines bisschen ungenauer wird.

Dieses System hat einen fast poetischen Nebeneffekt:
Aus einer einzelnen Unsicherheit entsteht innerhalb weniger Sekunden eine bemerkenswert gleichmäßig verteilte Unsicherheit im gesamten Chor.

Die eigentliche Frage bleibt dabei meist erstaunlich stabil:
„Wo sind wir gerade?“

Kleiner Hinweis am Rande:
Vorne wüsste es vermutlich jemand.

Und wenn du auch etwas gehört, beobachtet oder mit halbem Ohr aufgeschnappt hast, dann schick deinen Whisper gern direkt an mich 🙂 für den nächsten Whispers im Chorblick.

Ein Gedanke zu „Die „diskrete“ Nachfrage“
  1. Zum Thema Wispers denke ich das ich zum Beispiel mich auch frage ab welcher Zeile wir Männer einsetzen müssen. Einige Männer können es halt schon und einige halt noch nicht deswegen fehlt dann ganz oben die Gleichheit im Gesang

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